Ce'Nedra, die Khajiit-Magierin

 

Ce'Nedra, die Khajiit-Magierin

 

Das zweite Fanfiction-Buch über das Skyrim-Universum, wo diesmal eine tollpatschige Khajiit-Magierin im Vordergrund steht. Der Epos besteht aus sechs Bänden (siehe unten auf dieser Seite) und umfasst insgesamt 282'000 Wörter, was einem Buch von rund 1150 Seiten entspricht.

WICHTIGER HINWEIS:

Die Geschichten enthalten teilweise brutale und blutige Szenen; sowie auch Sexszenen. Aus diesem Grunde empfehle ich die Bücher für Leser, die das 18te Lebensjahr erreicht haben.

 

Hier ist der Download zu allen 6 Bändern in einer PDF-Datei (4.7 MB) zusammengefasst.

 

Odahviing

Inhalt

Fünf Jahre sind vergangen, seit der Bürgerkrieg zu Ende ging und der schwarze Drache Alduin, Weltenfresser und Seelenverschlinger, von Jo'Morizo, der sich früher der arme Moritz Khajiit nannte, besiegt wurde.

Doch Himmelsrand kommt nicht zur Ruhe.

Die Jarls der neun Fürstentümer waren bisher nicht in der Lage, einen Grosskönig auszurufen, der das Land einen könnte. Der Aldmeri-Bund, bestehend aus den Thalmor (Kaste der Hochelfen), webt seine Intrigen und schmiedet Pläne, um Himmelsrand zu stürzen und so den Kaiser von Tamriel zu schwächen.

 

Hroar, der Adoptivsohn des Jo'Morizo, verliebt sich in die Tochter von Jarl Elisif, der Liebreizenden. Durch die geplante Hochzeit könnte er der König werden, auf den Himmelsrand so sehnlich wartet. Doch Mylord und seine Frau Mylady, beide Kanzler des Aldmeri-Bundes, wollen seine Pläne durchkreuzen. Auch Maven Schwarz-Dorn liebäugelt mit dem Thron und spricht das Schwarze Sakrament aus, wodurch Assassinen auf das Brautpaar gehetzt werden.

Zu allem Überfluss erscheint auch wieder ein schwarzer Drache in Himmelsrand, der die Bewohner in Angst und Schrecken versetzt.

Genau zu diesem Zeitpunkt wird Ce’Nedra von ihrem Vater zur Akademie der Winterfeste nach Himmelsrand geschickt, wo sie einerseits die Ausbildung als Magierin beginnen und sich andererseits von einer jungen, frechen Göre zu einer reifen, erwachsenen Frau entwickeln soll. Doch bereits bei seiner Ankunft im Hafen von Windhelm geht dem jungen, tollpatschigen Khajiit-Mädchen alles schief, was nur schiefgehen kann.

Ohne zu wollen, durchkreuzt sie dabei die Pläne des Mylord und gerät ins Visier der Thalmor, die sie beseitigen wollen. Es stellt sich heraus, dass sie das neue Drachenblut ist, wodurch auch der schwarze Drache zu ihrem Feind wird.

 

 

Kharjo und Ce'Nedra

Leseprobe

Band 2, Kapitel VI: Auf dem Weg nach Hoch-Hrothgar

Nachdenklich betrachtete die kleine Khajiit-Magierin Ce'Nedra das Medaillon in ihrer Hand, als sie zurück zu Lydia schlenderte. Die Schildmaid hatte an der Treppe Platz genommen und schaute interessiert zu, wie die Gefährten mit den Rekruten ihre Übungen machten. Als sie die zierliche Katze um die Ecke kommen sah, stand sie auf und ging ihr entgegen.
»Wie war es?«, erkundigte sie sich.
Ce'Nedra zuckte mit den Achseln und gab ihr einen kurzen Überblick darüber, was in der Tiefenschmiede geschehen war.
»Die Werwolf-Gilde scheint in grossen Schwierigkeiten zu stecken, besonders da Hircine ihnen einen üblen Streich gespielt hat. Vilkas gibt sich von aussen hart wie ein Krieger, aber innerlich ist er in tiefer Trauer um seinen Bruder«, schloss sie betrübt. »Wie lange benötigen wir zum Berg Hoch-Hrothgar?«
»Je nach Wetterlage kann die Reise gut einen Tag dauern. Zudem gibt es oben oft Schneestürme und es ist bitterkalt. Am besten, wir kaufen noch was ein.«
Ce'Nedra lächelte ihre Schildmaid versonnen an. Sie war so froh, jemanden bei sich zu haben, der sich hier in Himmelsrand auskannte. Ihre Hilfe war für sie von unschätzbarem Wert gewesen. Sie wusste, dass sie sich jederzeit auf Lydia verlassen konnte.

Da sie etwas spät dran waren, beschlossen sie, erst am nächsten Tag nach Hoch-Hrothgar aufzubrechen. Sie wollten jedoch den Tag nicht nutzlos verstreichen lassen. Deshalb gingen sie zusammen auf den lebhaften Markt, wo die Marktschreier lauthals ihre Waren anboten. 
Für ihr neues Haus benötigte die kleine Khajiit-Magierin allerlei Nahrungsmittel, Vorräte und Hausrat wie Teller, Becher, Besteck, Gläser. Sie fanden auch einen Stand mit frischen Früchten, Blumen und etwas Saatgut, um hinter dem Haus den Garten zu bepflanzen. Auch Gerätschaften für die Schmiede, Phiolen und Zutaten für den Alchemietisch sowie Seelensteine für den Verzauberungstisch schafften sie an.

In Belethor's Gemischtwarenladen, wo Ce'Nedra einige Tage zuvor ihre Magierrobe zu einem Tiefstpreis erworben hatte, ergatterte sie einen warmen Mantel für den Fall, dass sie in die Berge oder hoch in den Norden reisen musste. Die schmächtige Khajiit-Magierin versank in dem grossen, dick gefütterten Umhang. 
»Mit Nadel und Faden bringen sie das sicher in die richtige Grösse«, meinte die Schildmaid und so handelte die Khajiit-Magierin den Preis so tief runter, dass Belethor der Verzweiflung nahe war.

In Brisenheim angekommen, werkelten beide Frauen emsig an ihrem neuen Heim. Lydia wollte zuerst ihr Zimmer im Keller einrichten, was die Khajiit-Magierin vehement ablehnte. Da sie vorerst ohnehin keine Kinder zu erwarten hatte, so hoffte sie zumindest, sollte ihre neue Begleiterin gefälligst das Zimmer neben dem Elternschlafzimmer in Beschlag nehmen. Ce'Nedra hielt es nicht für angemessen, dass ihre Beschützerin im Keller neben der lauten, stinkenden Schmiede untergebracht wurde.

Am Abend hatten sie alles eingerichtet, den Mantel umgenäht und sogar Vasen mit frischen Blumen aufgestellt, sodass Brisenheim eine freundliche, weibliche Gemütlichkeit ausstrahlte. Die Vorbereitungen für die lange Reise am nächsten Tag waren ebenfalls abgeschlossen und alles lag am Eingangsbereich bereit. Sie kochten sich eine feine Gemüsesuppe mit Äpfeln und für Lydia gab es selbstverständlich zwei ordentliche Hammelkeulen dazu.

»Du solltest ein wenig Fett zulegen, wenn du länger in Himmelsrand bleibst«, meinte Lydia, als sie genussvoll in die Keule biss. »Für uns Nords ist es der natürliche Schutz gegen Eis und Kälte.«
»In Himmelsrand trifft das sicher zu, aber in Elsweyr unter der glühenden Sonne behindert dich das Fett bei der Jagd«, meinte Ce’Nedra lächelnd. »Wie kommen wir morgen zum Berg?«
»Aus Weisslauf fährt keine Kutsche nach Ivarstatt«, schüttelte Lydia den Kopf, während sie sich die fettigen Finger ableckte. »Deshalb gehen wir zum alten Anwesen von Jo'Morizo, nach Heljarchen. Dort haben sich einige Khajiits angesiedelt. Die Kutsche fährt von dort direkt nach Ivarstatt und wir können in Ruhe die Fahrt geniessen.«

Rasch wuschen sie nach dem Mahl die Reste von den Tellern ab, wobei es bei Lydia kaum Essensreste gab, und plauderten noch belangloses Zeug miteinander. Als die Müdigkeit beide überkam und sie herzhaft gähnten, verzogen sie sich in ihre Gemächer und schliefen sofort ein.

Am nächsten Morgen brachen sie früh auf. Noch etwas schlaftrunken assen sie ein rasches Frühstück und packten ihre Vorräte und Wintersachen in die Beutel, die sie am Abend zuvor vorbereitet hatten. Das Wetter war immer noch grau und nass, sodass sie keine grosse Lust verspürten, lange Märsche durchzuführen. Trotzdem waren sie in der Morgendämmerung am Haupttor bereit und gingen die Strasse nach Osten entlang.

Sie überquerten die Brücke, die nach Dämmerstern oder Windhelm führte. Auf der linken Seite zog die stolze Burg Drachenfeste auf dem steilen Felsen an ihnen vorbei. Danach öffnete sich den beiden Wanderinnen die hügelige Weite des östlichen Teils der Tundra.

Sie passierten den Östlichen Wachturm und den Loreiushof, der das Nachbargelände des Guts Heljarchen darstellte. Im Norden erkannte man die Schneegrenze zu den kalten Gebieten von Himmelsrand, die das ganze Jahr über mit Schnee bedeckt waren. Es fröstelte Ce’Nedra ein wenig, jedoch nicht so stark, dass sie den warmen Mantel anlegen musste.

Sie war neugierig auf das Gut Heljarchen. In Elsweyr hatte sie viel darüber gehört und gelesen, wie die Khajiits durch den armen Moritz Khajiit in Verruf geraten waren, die Verfolgung ihres Stammes, der viele Opfer gefordert hatte, den Sieg des ersten Khajiit-Drachenblutes gegen die Sturmmäntel und die Gründung des Roten Kreuzes, wo die Khajiits, den Widrigkeiten strotzend, allen verwundeten Soldaten im Krieg geholfen und so ihren guten Ruf widerhergestellt hatten.

Der arme Moritz Khajiit hatte das Gut Heljarchen an die beiden Werwölfe Padraic und Flosamma zu einem symbolischen Wert von einem Gold verkauft, unter der Bedingung, dass es ein ständiges Zuhause für die Khajiit-Karawanen sein sollte. Leider wohnten die beiden Wölfe nicht mehr unter dem Dach, dafür hatten sich die Khajiits hier eingerichtet und aus Heljarchen das Hauptquartier des Roten Kreuzes gemacht. Heute half die Gilde nicht mehr den Soldaten auf dem Felde, dennoch konnte jeder Bürger oder Reisende von Himmelsrand dort mit Heilzauber oder Getränken versorgt werden.

Unterstützt und beschützt wurde das Rote Kreuz immer noch von der Diebesgilde. Ihnen zu Ehren war auch eine Statue von Nocturnal errichtet worden, was ihr etwas unangenehm war, denn sie hielt sich als Göttin der Diebe lieber im Verborgenen.

Ce'Nedra ging mit ihrer Schildmaid Lydia durch das offene Tor und wurde sofort herzlich von ihren Landesgenossen begrüsst. In alter Tradition beschnupperte man sich kurz an der Nase. Man fragte sie direkt nach dem neusten Klatsch und Tratsch aus Elsweyr, was die neue Regierung aus dem schönen Land Elsweyr machte und wie sich dort alles entwickelte. Man palaverte und beschnupperte sich minutenlang.

Plötzlich stand Ce'Nedra, die Khajiit-Magierin, einfach nur da und glotzte mit halb offenem Mund zum Haus. Ihre Augen waren weit geöffnet und ihre Katzenpupillen hatten einen verträumten Glanz erhalten. Man hätte denken können, sie hätte einen Lähmungszauber abbekommen, was bei ihrem Talent durchaus möglich gewesen wäre, oder ein Blitz hätte sie getroffen. 

Aus der Haustüre kam ein Prachtexemplar von einem Kater herausstolziert. Der durchtrainierte, muskulöse Körper mass etwas mehr als sechs Fuss, was für einen Khajiit sehr gross war. Seine aufrechte und selbstbewusste Haltung wiesen darauf hin, dass er als Krieger viele Schlachten geschlagen hatte. Wie Ce'Nedra hatte er strahlend blaue Augen, etwas heller als jene der Khajiit-Magierin.

Sein dreifarbiges Fell war vom Kopf bis vorn zur Stirn schwarz bis dunkelgrau eingefärbt. Er hatte eine weisse Schnauze und sowohl seine Lefzen als auch seine Augenpartie waren von einem hellen Grau, wobei sein Backenbart, der ihm einen gefährlichen Ausdruck verlieh, eine dunklere Farbe hatte. 

Der Kater steckte in einer stählernen Rüstung und war eindeutig als Khajiit-Krieger zu erkennen. Er hatte einen Schild und ein Schwert in der Hand und wollte soeben auf den Übungsplatz gehen, um einige neue Angriffsmuster zu probieren.

Als er jedoch die kleine, zierliche Khajiit-Magierin mit den wunderschönen, grossen, blauen Augen sah, liess er sofort Schild und Schwert fallen. Die Waffen fielen scheppernd zu Boden und verursachten einen Heidenlärm, was Ce'Nedra und Kharjo, so hiess der Kater, jedoch gar nicht wahrnahmen. Die anderen Khajiits um sie herum kicherten. 

Langsam schritt der edle Kater auf die wie angewurzelt dastehende Magierin zu, wobei ihre Blicke ineinander versanken. Als er vor ihr stand, begannen sie, sich zu beschnuppern, und schlossen dabei langsam ihre Augen. Sie beschnupperten sich ... und beschnupperten sich ... und beschnupperten sich ... und beschnupperten sich ohne Ende und er roch sooo ... gut.

Er strömte einen herrlich frischen, süsslichen Duft aus, vermutlich von dem Met, den er am Morgen zu sich genommen hatte. Begleitet wurde das Frisch-Süssliche von einer leicht säuerlichen, erdigen Note, was ihm etwas Männliches, Standhaftes und Kriegerisches verlieh.

Auch Kharjo konnte nicht genug von Ce’Nedras Duft bekommen. Er roch das Süssliche von den Äpfeln, die sie zum Frühstück gegessen hatte, mit einem Hauch Katzenhonig, in die sie das Obst heimlich getunkt hatte, was die Begierde in ihm weckte. Begleitet wurde der Geruch vom Duft der frischen Bergblumen, die Ce'Nedra ins abendliche Bad mitgenommen hatte, der ihre Weiblichkeit unterstrich.

Das Getuschel und Gekicher um die beiden frisch Verliebten wurde lauter und lauter, aber es half nichts. Sie konnten nicht voneinander lassen und hätten sich den ganzen Tag mit geschlossenen Augen beschnuppert. Der Nord-Kriegerin wurde es zu bunt und sie rief Ce'Nedras Namen. Als die kleine Magierin keine Reaktion zeigte, schlug die Kriegerin aufdringlich neben den beiden ihr Schwert gegen den Schild, sodass das Paar aus seinen Träumen erwachte. Die beiden Katzen schauten einander wieder in die Augen.

»Mein Name ist Kharjo«, stellte sich der Kater ein wenig verlegen vor.
»Jaaaa ...«
»Hast du auch einen Namen?«
»Jaaaa ...«
Lydia verdrehte die Augen und gab ihrem Thane einen kräftigen Schubs, damit sie endlich wieder erwachte.
»Ce-ce-ce'Nedra«, stotterte die Magierin unbeholfen. Sie kam sich vor wie ein kleines Kind und schlug vor Scham ihre Pfoten vors Maul.
»Ce'Nedra! Was für ein schöner Name. Bedeutet das nicht so etwas wie die einzig Geliebte?«, fragte er behutsam.
Die zierliche Khajiit konnte bloss freudig nicken, wobei ihre Augen immer noch an ihm klebten.

»Wohin wollt ihr beiden reisen? Oder bleibt ihr ein wenig hier?«, fragte er hoffnungsvoll.
»Wim üschen nasch«, nuschelte Ce’Nedra hinter der Pfote und liess sie sinken. »Wir müssen nach Hoch-Hrothgar hinauf.«
»Ach, du bist das neue Drachenblut, von dem wir gehört haben.«
Sie seufzte ein wenig und antwortete: »Ja genau, deshalb will ich mit den Graubärten sprechen.«

»Du solltest sie begleiten«, mischte sich Ma'dran, der neue Hausherr von Heljarchen ein und zwinkerte Kharjo schelmisch zu. »Sie hat eine äusserst fähige Schildmaid bei sich. Aber der Weg ist lang und gefährlich. Die Drachen sind wieder erwacht. Zu dritt nach Hoch-Hrothgar zu reisen, wäre klüger.«
Die zierliche Katze wandte sich ihrer Nord-Kriegerin zu: »Ist es dir recht, wenn er uns begleitet?«
»Du krümmst ihr ein Haar und ich mache mir einen neuen Schal aus deinem buschigen Schwanz«, drohte Lydia dem Kater mit Nachdruck. »Hast du mich verstanden?«

Während Kharjo mit seiner Pfote sanft über Ce'Nedras Wange strich, flüsterte er ihr liebevoll zu: »Nie im Leben werde ich dich verletzen, meine Liebe.«
Er hetzte ins Haus Heljarchen, wobei die frisch verliebte Khajiit-Magierin ihm hinterher schmachtete, und packte seine Wintersachen und ein paar Vorräte zusammen. Dann bestiegen sie die Kutsche nach Ivarstatt, die sanft ruckelnd losfuhr.

Der Khajiit-Krieger nahm die zierliche Ce'Nedra, die sich noch so gerne an ihn kuschelte, sofort in seine starken Arme. Da es ein wenig frisch war, mummelten sich beide in eine warme Decke ein. Lydia, die tapfere Schildmaid, verdrehte zwar die Augen und gab sich streng. Allerdings verrieten ein paar leichte Zuckungen an ihren Mundwinkeln, dass sie sich insgeheim über das Glück der beiden freute. Sie kannte Kharjo nicht persönlich, hatte jedoch viel Gutes von ihm gehört. So unterschiedlich die beiden waren, er der grosse, muskulöse Krieger und sie die kleine, schmächtige Magierin, so wunderbar passten sie zusammen.

Die Fahrt gestaltete sich lang und mühselig, da das Wetter immer schlechter wurde. Die Kälte nahm zu und am Horizont waren bereits dichte Wolken zu sehen, die einen wüsten Schneefall versprachen. Die Gefährten hofften, rechtzeitig nach Ivarstatt zu gelangen, damit sie dort in der sicheren Wärme übernachten konnten. Auf gar keinen Fall war heute an einen Anstieg zum Berg Hoch-Hrothgar zu denken.

Das frische Paar nutzte die lange Fahrt, um sich besser kennenzulernen. Auch Lydia, die Schildmaid, hörte ihnen interessiert zu. Sie war noch nie in ihrem Leben in Elsweyr gewesen und kannte das Volk der Khajiit nur von den Geschichten und den Ereignissen aus dem letzten Bürgerkrieg.

Sie schätzte die zierliche Magierin mit ihrer einnehmenden, verletzlichen Art. Es stellte sich heraus, dass Kharjo vom Alter her Ce'Nedras Vater hätte sein können, was für die beiden jedoch vollkommen belanglos war. Er war tatsächlich nur zwei Jahre jünger als Dar'Jar, der Vater der zierlichen Magierin. Sie kamen sogar aus demselben Gebiet in Elsweyr und wären fast Nachbarn geworden, wären damals nicht die Rebellion und die damit verbundenen blutigen Kämpfe ausgebrochen. Mit Bedauern hörte sie Kharjo zu, wie er im Kampf gegen die Werwölfe, ein hinterhältiger Winkelzug seitens der Thalmor, seine gesamte Familie verloren hatte und zusammen mit dem armen Moritz Khajiit nach Himmelsrand geflohen war. 

Ce'Nedra erzählte von der sorgenfreien Jugend, in der sie von ihren Eltern verwöhnt worden war, und wie ihr Vater beschlossen hatte, sie in die Akademie der Winterfeste zu schicken. Höchst interessiert hörte Kharjo ihrer Schilderung zu, wie sie im Hafen von Winterfeste von dem Argonier übertölpelt worden war, wie sie in Rifton ausgenommen, in Helgen fast hingerichtet worden war; wie sie im Ödsturzhügelgrab den ominösen Stein gefunden hatte, wobei Ce’Nedra die Einzelheit mit der Wortmauer ausliess und wie sie vor Weisslauf den Drachen getötet und seine Seele aufgenommen hatte.

»Mit dir scheint es nicht langweilig zu werden«, meinte der Khajiit-Krieger trocken und knetete zärtlich ihre süssen Katzenöhrchen.
Schnurrend genoss sie seine Liebkosungen.
»Ich werde mich um die beiden Argonier und die Valerius-Geschwister kümmern«, versprach Kharjo der schmächtigen Katze in einem Tonfall, bei dem selbst Lydia ein mieses Gefühl im Magen bekam.

Als die Kutsche gegen Abend in Ivarstatt ankam, hatte es bereits fürchterlich zu schneien begonnen. Durch die ganze Nacht hindurch würde es Schneestürme geben und so waren sie gezwungen, im Gasthaus zu übernachten, das Ce'Nedra bereits kannte. Sie hatte das hilfsbereite Wirtspaar in guter Erinnerung, da sie ein paar Tage zuvor nahezu mittellos dort gestrandet war. Es war verdammtes Pech gewesen, als sie in die Fänge der Kaiserlichen Armee geraten und nach Helgen verschleppt worden war.

Glücklicherweise erhielten sie im gut besuchten Gasthaus ein grosses Zimmer mit einem Doppel- und einem Einzelbett. Ce'Nedra und Kharjo freuten sich bereits darauf, zusammen im Doppelbett zu liegen, doch die Schildmaid bestand darauf, dass die beiden Frauen es belegten, worauf sie einige böse Blicke von den beiden Katzen kassierte.
»Je länger der Mann auf die Beute wartet, desto interessanter wird sie«, meinte sie bloss schulterzuckend.
»Und wenn die Beute gar nicht warten will?«, fragte die zierliche Khajiit-Magierin mit traurigen Blicken.

»Nichts da!«, befahl die Nord-Kriegerin klipp und klar. »Morgen steigen wir die Siebentausend Stufen nach Hoch-Hrothgar rauf, vermutlich bei tiefem Schnee. Da müssen wir ausgeruht sein.«
»Und von dir«, sie tippte mit dem Finger auf Kharjo's Brust, »will ich keinen Mucks hören!«
Kein vernünftiger Mann in Himmelsrand, der an seinem Leben hing, frisch verliebt oder nicht, widersprach einer Nord-Kriegerin. Sie assen noch ein herzhaftes Abendmahl und gingen alle miteinander, die beiden Katzen schmollend, zu Bett.

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Kaum hatte Kharjo seine stahlblauen Augen geöffnet, hörte er ein dumpfes Scheppern, zusammen mit einem langgezogenen Autsch. Schlaftrunken richtete er sich auf und versuchte, sich den letzten Rest der Träume aus den Augen zu wischen, was ihm jedoch nicht so recht gelang. Wie gerne wäre er bei seiner Liebsten eingeschlafen, aber Lydia war eine erbitterte Anstandsdame gewesen. So blieb dem armen Kater keine Wahl, als nur von seiner neuen Liebe zu träumen, die jetzt an der Türe stand und sich den Kopf rieb.

»Was ist denn los, mein Mäusezähnchen?«, fragte Kharjo besorgt, stand auf und eilte zu ihr hin.
»Oh, Mäusezähnchen, du bist so süss«, himmelte sie ihn an, wobei sie sich immer noch die Stirne rieb.
Lydia, die Schildmaid verdrehte die Augen, schüttelte den Kopf und drehte sich wieder im Bett um.
»Ich sehe leider sehr schlecht. Ich wollte uns Frühstück holen und rannte gegen die Türe«, jammerte sie.
»Ja, es hilft, wenn sie offen ist«, gluckste der Khajiit-Krieger. Ce'Nedra gab ihm einen Stoss an die Seite.

»Entschuldigung. Ich puste ein wenig auf die Beule, das hilft immer«, versprach er und tat es auch gleich.
»Mit passieren immer solche Dinge. Deshalb werde ich auch Ce'Nedra, die Schusselige genannt.«
»Oh, mein schusseliges Mäusezähnchen. Dann werde ich eben auf dich aufpassen müssen.«
Währenddessen war Lydia aufgestanden und schlurfte nach draussen.
»Ich gehe mal pinkeln.«

Mit etwas Glück ergatterten die drei Abenteurer gerade noch einen Tisch in der überfüllten Gaststube. Viele Wanderer, Soldaten und Arbeiter suchten Schutz vor dem schlechten Wetter, das sich während der Nacht zusammengezogen hatte.

 

 

»Draussen liegt sehr viel Schnee. Wir werden das Winterzeug benötigen«, stellte die Nord-Kriegerin fest, während sie sich über den deftigen Rindseintopf hermachte.
Sie zeigte mit dem Löffel zur schmächtigen Katze und wandte sich an Kharjo: »Sorge dafür, dass deine neue Geliebte etwas Fett auf den mageren Rippen bekommt. Sie wird sonst in Himmelsrand erfrieren.«

»Isst du denn überhaupt kein Fleisch, mein schusseliges Mäusezähnchen?«, erkundigte er sich liebevoll bei ihr.
»Selten. Nur gelegentlich esse ich etwas Fisch oder Huhn. Das rote Fleisch schmeckt mir nicht.«
Kharjo stand sofort auf und eilte zur Theke rüber. Zurück kam er mit zwei Schüsseln und stellte sie vor die zierliche Katze hin. In der einen Schüssel war geräucherter Aal und in der anderen ein fettiges gebratenes Huhn.

»Iss, mein Schatz!«, befahl er fürsorglich. »Die siebentausend Stufen nach Hoch-Hrothgar sind lang und beschwerlich, besonders bei Schnee. Das fettige Zeug gibt dir die Kraft, die du benötigen wirst, glaub mir.«
»Ja, aber in Elsweyr …«, wollte die Khajiit-Magierin protestieren.
»… in Elsweyr kommst du mit Gemüse und Früchten durch den Tag. Hier in Himmelsrand gelten andere Gesetze zum Überleben. Keine Ausrede mehr, iss jetzt!«

Die schmächtige Khajiit-Magierin maulte ein wenig, aber sie gehorchte, wobei Lydia den neuen Gefährten sogar verschmitzt anlächelte. Überraschenderweise hatte Ce'Nedra tatsächlich Hunger und verschlang innerhalb kürzester Zeit die beiden Schüsseln mit dem fettigen Essen. Zum Aufwärmen tranken sie noch reichlich heisse Fleischbrühe und füllten ihre Feldflaschen damit auf. Nach dem Essen packten sie ihre Ausrüstung zusammen, zogen die schweren gefütterten Wintermäntel an und stapften nach draussen in den Schnee.

Es hatte aufgehört zu schneien, dafür schwebte ein leichtes Schneegeriesel umher. Es war ein verhangener Tag, bei dem man nicht so recht wusste, wie sich das Wetter später entwickeln würde. Am Abend waren sie zu spät angekommen, um einen Blick auf Hoch-Hrothgar zu werfen. Heute früh konnten sie jedoch erkennen, wie prachtvoll und, was noch bewundernswerter war, wie steil der Hang war.

Ivarstatt war ein Dorf am Fusse des Berges, das auf einer Hochebene gelegen war. Diese Hochebene, die eine natürliche Grenze zu den heissen Sümpfen bildete, erstreckte sich von Ivarstatt bis nach Rifton hinüber. Die drei Gefährten bestaunten das gewaltige Felsmassiv, dessen Gipfel sich in den dichten Wolken versteckte. Bei genauerem Hinschauen konnten sie den Weg mit den siebentausend Stufen erkennen, der sich eng durch den Berg hindurchschlängelte.

Es gab viele fantasievolle Erzählungen darüber, wie die Siebentausend Stufen zu Hoch-Hrothgar entstanden sein sollten. Da nichts Genaues überliefert worden war, wusste man es nicht. Der Grossteil der Nords vermutete jedoch, dass die Graubärte selbst die Stufen und den uralten Tempel, von wo aus der Hals der Welt begann, erbaut hatten.

Alte Sagen berichteten, dass Jürgen Windrufer persönlich die Stufen in seiner Drachensprache in den Stein hinein geschrien haben sollte. Andere meinten, die Drachenbluts hätten dazu die Trolle unterworfen, die auf qualvolle Weise dazu gezwungen worden waren, die Stufen in elender Sklavenarbeit in den Berg zu hauen. Seither hassten die Trolle die Menschen und griffen sie an.

Wenn man aber bedachte, wie linkisch die Trolle mit ihren Armen umgingen, war diese Erzählung als sehr unwahrscheinlich einzustufen. Eine weitere Geschichte erzählte, dass die uralten Drachen die Steinstufen angeblich selbst mit ihren Krallen in den Berg geritzt hätten. Die Frage stellte sich jetzt: wozu? Warum sollten Drachen in mühsamer Kleinarbeit die siebentausend Stufen in den Berg ritzen, wenn sie selbst hinauffliegen konnten? Also wurde auch diese Sage für absurd erklärt.

Die Tatsache war, dass nur die Siebentausend Stufen zum Tempel der Graubärte hinauf führten. Es gab viele Gefahren auf dem Weg nach oben. Von den Jägern vernahmen die Reisenden, dass Bären und Wölfe sich herumtrieben, um in der eiskalten Umgebung hoch oben am Gipfel Nahrung zu suchen. Zudem berichteten die Jäger, dass sie wieder Eistrolle gesichtet hätten, besonders in der engen Schlucht, die kurz nach der zweiten Hälfte des Weges lag.

Genauso gefährlich wie die Wildtiere waren die Stufen selbst. Im Regen und Schnee waren die grauschwarzen, breit angelegten Treppen zwar gut zu erkennen und der Weg war mit Steinen hervorragend markiert, aber wegen der Nässe waren sie äusserst rutschig. Man musste sehr vorsichtig Stufe um Stufe erklimmen, damit man nicht den Hang wieder hinunter schlitterte oder, was am schlimmsten wäre, am Berg zu Tode stürzte. Ein Geländer, an dem man sich festhalten konnte, gab es nicht.

Mit einem mulmigen Gefühl schauten die drei Gefährten die graue Felswand hinauf, wo sie schwach den Weg erkennen konnten. Es blieb ihnen nichts übrig, sie mussten zu den Graubärten steigen. Sie hatten auch keine Gewissheit, ob sich das Wetter verbesserte oder verschlechterte. Also entschieden sie, den Aufstieg zu wagen.

Lydia, die erfahrene Nord-Kriegerin, ging als Erste. Ce'Nedra nahmen sie in die Mitte und der Khajiit-Krieger übernahm die Nachhut und beschützte seine Liebste.
Auf den ersten einigermassen schneefreien Stufen kamen sie zügig voran. Die schmächtige Khajiit-Magierin war jetzt froh darüber, ein deftiges Mahl eingenommen zu haben, denn die vielen Treppen hinaufzusteigen kostete viel Kraft. Stoisch die Stufen hinauf stapfend, konnte sie gut mit den erfahrenen Kriegern mithalten.

Von weitem hörten sie das Brüllen eines Bären, konnten jedoch nicht ausmachen, wo er sich befand. Sie beschlossen, ihre Waffen zu ziehen, falls sie überraschend angegriffen wurden. Die Khajiit-Magierin hielt einige ihrer Feuer- und Heilzauber bereit.

Die Stufen zogen sich in einer unübersichtlichen Kurve weiter hinauf. Vorsichtig schlich die Schildmaid um die Kurve herum. Dennoch kam der Angriff des Bären überraschend. Lydia konnte gerade noch ihren Schild zur Abwehr der Klauen hinhalten und verhinderte so, dass ihre Schulter aufgeschlitzt wurde. Um einen besseren Stand gegen das wilde Tier zu haben, presste sie sich gegen die Wand.

Der Bär achtete nicht auf die anderen beiden Gefährten und beschäftigte sich mit der Nord-Kriegerin. So haute Kharjo mit seinem Morgenstern dem Bären einen satten Hieb auf den Schädel, was ein fürchterliches Geräusch von brechenden Knochen gab. Der Bär taumelte benommen gegen den Rand der Stufen. Dies nutzte Lydia aus und versetzte dem Bären einen Tritt, der ihn aus dem Gleichgewicht brachte und ihn den Felshang hinunter schickte. Sie hörten das letzte Brüllen des Wildtieres, das mit einem dumpfen Geräusch zu Tode stürzte.

Als sie etwa ein Drittel des Weges hinter sich gebracht hatten, überquerten sie die Schneegrenze. Es setzte leichter Schneefall ein. Als die Stufen wieder glitschig wurden, wäre die zierliche Khajiit-Magierin fast ausgerutscht und hinuntergefallen. Ein paar kleine Steine purzelten den Hang hinab und Ce'Nedras Augen weiteten sich vor Schreck. Kharjo konnte sie nur ganz knapp am Mantel fassen und sie hochziehen. Sie beschlossen, eine kurze Rast einzulegen.

»Es gibt eine Anhöhe mit einer kleinen Nische im Felsen, die uns vor dem Wetter schützt«, wandte sich Lydia an die beiden Katzen. »Dort verschnaufen wir ein wenig und essen etwas.«
»Wieso gehen wir nicht weiter?«, fragte Ce'Nedra ihre Schildmaid.
»Du musst deine Kräfte sammeln, sonst stolperst du wieder über die Stufen und dein Freund kann dich das nächste Mal vielleicht nicht auffangen.«
In der geschützten Nische assen sie kurz etwas und lockerten ein wenig die Beine, denn das ständige Treppensteigen verspannte ihre Muskeln. Nachdem sie rund eine halbe Stunde ausgeruht hatten, brachen sie wieder auf. Da sich das Wetter hielt, wollten sie keine Zeit verschwenden. Sie kamen zur Schlucht, wo ein Jäger einen wütenden Eistroll vermutet hatte. Vorsichtig schlichen sie in die schmale Schlucht hinein, in der sie sich kaum bewegen konnten.

»Verdammt!«, fluchte Lydia, die Schildmaid. »Hier ist es zu eng, um gegen einen Troll zu kämpfen.«
»Eistrolle hassen Feuer«, meinte Kharjo zu seiner Geliebten. »Schatz, hast du nicht Lust, ein paar Feuerbälle in die Schlucht zu schiessen?«
Gesagt, getan. Sie liessen die Khajiit-Magierin nach vorn, die in beiden Händen ihre Feuerbälle vorbereitete. Als sie gross genug waren, feuerte sie zwei Stück in die Schlucht und gleich zwei hinterher. Die Feuerbälle zischten hinein und verbreiteten die tödliche Hitze. Die Gefährten hörten zuerst das Aufjaulen des Trolls, der in einem Hinterhalt auf sie gewartet hatte. Brennend, schreiend und wild um sich schlagend rannte der Troll aus der Schlucht und gab so den Weg für die Gefährten frei.

Der Khajiit-Krieger pfiff durch die Zähne und meinte: »Meine Liebe, gegen dich möchte ich auf gar keinem Fall in einem Duell antreten.«
»Wenn du schön brav bist, müssen wir das nicht«, entgegnete sie mit einem schelmischen Grinsen.
Lydia hielt sich den Bauch vor lauter Lachen, während Kharjo dumm aus der Wäsche schaute.

Die drei Gefährten zogen weiter. Weiter oben verliefen die Stufen nicht mehr so steil wie in der Nähe der Hochebene. Die Gefährten schonten ihre Kraft und beschlossen deshalb, ohne einen weiteren Zwischenhalt hindurchzumarschieren. Obwohl der Schneefall etwas stärker wurde, war die Sicht immer noch gut genug und sie nahmen das letzte Drittel des Weges in Angriff.

»Wie es aussieht, werden wir keine Schwierigkeiten mehr bekommen«, mutmasste der Khajiit-Krieger.
Kaum hatte er die Worte ausgesprochen, hörten die Gefährten das wütende Brüllen eines Drachen. Über sich vernahmen sie die wuchtigen Flügelschläge eines Monstrums, dessen Länge vom Kopf bis zum Schwanzende sicher an die 25 Schritte mass. Seine Oberseite, Schuppenpanzer und Schwingen waren von dunkelblauer Farbe. Die Unterseite der Schwingen, sein Bauch und sein Maul waren vom reinen Weiss des frisch gefallenen Schnees. Seine schwarzen Hörner zeigten nach vorn, was ihn als Kampfdrachen zu Boden auswies.

Der Frostdrache landete träge auf den Stufen, die unter seiner Wucht erzitterten, und versperrte ihnen den Weg. Sofort stiess er sein Thu'um des Frostatems gegen die Gefährten aus: »FO – KRAH – DIIN!«
Im letzten Moment wirkte Ce'Nedra einen Schutzzauber über die gesamte Truppe. Trotzdem bekam Lydia, die als Erste in der Gruppe lief, einen beträchtlichen Teil des Frostatems ab. Halb erfroren liess sie ihre Waffen fallen und taumelte zu Boden. Sie landete auf den Knien und konnte sich nur noch mit einer Hand abstützen, mit der anderen hielt sie sich Luft schnappend an die Brust.

»Lydia!«, schrie die Magierin entsetzt und wirkte blitzschnell mächtige Heilzauber auf die Kriegerin, deren beinahe erfrorene Haut von einem frostigen Blau zu einem hellen, goldenen Glanz wechselte.
Der Frostdrache wandte sich an Ce'Nedra, die Khajiit-Magierin: »Dein Thu'um ist schwach, Dovahkiin, und darf nicht stärker werden, kleine Katze. Ich bin Aarodiiz und ich wurde geschickt, um dich aufzuhalten.«
»Weshalb soll ich aufgehalten werden?«, fragte sie den Frostdrachen verblüfft.
»Die Drachen werden wieder über die Menschheit herrschen, wie damals unter Alduin, dem Weltenfresser. Die Eine hat es uns befohlen. Kehre um oder stirb!«

»Wer ist die Eine? Ist es ein Drache?«
»Menschen sind nichts anderes als Futter für die Drachen. Seit wann sprechen Drachen mit Futter?«
»Niemals werde ich umkehren! Ich werde zu den Graubärten gehen. Das ist mein Recht als Dovahkiin«, schrie die zierliche Khajiit den Frostdrachen trotzig an.
»Dann stirb, dumme Khajiit!«, drohte der Drache und begann nach Ce'Nedra zu schnappen.

Mittlerweile hatte sich Lydia vom Frostatem erholt und ihre Waffen eingesammelt. Auch Kharjo nahm sein Zweihandschwert von den Schultern und schlich an Aarodiiz heran. Dieser schnappte weiterhin nach der schmächtigen Katze, die ihm gewandt auswich. Doch sie taumelte und fiel zu Boden. Als Aarodiiz sie in seinem Maul zermalmen wollte, sprang Lydia dazwischen und wehrte seine Fangzähne mit dem Schild ab.

»Dumme Nordfrau, ein zweites Mal entkommst du mir nicht!«, fluchte der Drache und schnappte nach der Schildmaid, um sie mit einem Biss zu zerfleischen. Als er sein Maul aufsperrte, sprang sie hinein, klemmte ihm den Schild in den Rachen und sprang aus dem Drachenmaul. Schleimgebadet rutschte sie auf dem Boden aus und landete unsanft auf ihrem Gesäss.

Währenddessen holte Kharjo mit seinem Zweihandschwert aus und durchtrennte die Sehnen eines Hinterbeines, wodurch der Drache ein schmerzerfülltes, aber gedämpftes Brüllen von sich gab. Er humpelte rückwärts und versuchte, durch heftiges Kopfschütteln den Schild im Maul loszuwerden. Dabei traf er mit dem Schwanz den Khajiit-Krieger, der durch die Luft geschleudert wurde und ebenfalls auf dem Gesäss landete.

Irgendwann gelang es dem Frostdrachen, Lydias Schild zu zermalmen, der in mehreren Stücken aus seinem Maul fiel. Mit einem verwundeten Bein konnte er jedoch am Boden nichts mehr ausrichten. Also beschloss er, sich in die Lüfte zu erheben, und breitete seine Schwingen aus.

»Ce'Nedra!«, schrie Kharjo. »Benutze deine Feuerbälle! Sobald er in der Luft ist, greift er uns immer wieder mit dem Frostatem an und wir können nichts mehr tun!«
Ce'Nedra stand aufrecht da. Sie breitete ihre Armee mit offenen Pfoten aus, als ob sie ein Gebet an die Götter von Elsweyr richtete. In ihren Händen entstanden zwei Feuerbälle, die immer weiter wuchsen.

Der Frostdrache erkannte die Gefahr. Noch während er versuchte, sich mit wuchtigen Flügelschlägen in die Lüfte zu erheben, öffnete er sein Maul, um sein Thu'um zu schreien: »FO – KRAH …«
Weiter kam er nicht mehr. Die zierliche Khajiit-Magierin hatte ein halbes Dutzend Feuerbälle auf ihn geschleudert. Mit jedem Treffer zuckte er zusammen und wand sich. Er schrie und brüllte kläglich, während Feuerball um Feuerball auf ihn eindrosch. Rotes Blut vermischte sich mit den sonst anmutigen, dunkelblauen Drachenschuppen, die allmählich verbrannten. Blut tropfte aus dem Maul und den Fangzähnen des Frostdrachens.

»Dovahkiin, lass es sein … du wirst alles verlieren, was du liebst …«, hauchte er seine letzten Worte aus, als sein Körper auf den eisigen Boden prallte und reglos liegen blieb.
Wie der Drache beim Westlichen Wachturm in Weisslauf löste sich auch Aarodiiz auf. Sein Körper verbrannte, bis nur noch sein bleiches Gerippe übrig war. Goldene Strahlen suchten wiederum den Dovahkiin.

Ce'Nedra stand da, mit weit ausgestreckten, dünnen Armen, und nahm die Seele des Drachens auf. Doch sie hatte Angst, dass dasselbe geschehen würde wie im Ödsturzhügelgrab oder im Westlichen Wachturm.
Sie schaute verzweifelt zum Khajiit-Krieger und fragte: »Kharjo? Liebst du mich?«
»Selbstverständlich tu’ ich das«, antwortete er verwundert. »Warum fragst du?«
Es geschah jedoch nichts weiter. Ce’Nedra spürte immer noch ihr Verlangen, aber es war das Verlangen nach diesem Kater, der sie beschützt hatte.
»Ach nichts«, tat sie gleichgültig und war innerlich froh darüber, dass sie nicht sofort über den Khajiit-Krieger herfiel.

Lydia sammelte die Reste ihres Schildes auf und klopfte auf die Schultern des Katers. »Sei froh. Das letzte Mal, als sie die Seele eines Drachen aufsaugte, hat sie Irileth durchgerammelt.«
Kharjo schaute Ce'Nedra verdattert an, während sie ihrer schelmisch lächelnden Schildmaid giftige Blicke zuschoss.
»Was?«, meinte Lydia unschuldig und zuckte mit den Schultern. »Ganz Weisslauf weiss davon und nächste Woche bestimmt ganz Himmelsrand.«

Nach dem Kampf mit Aarodiiz ruhten sie wieder ein wenig aus. Sie wollten etwas länger Rast machen, aber das Wetter machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Der Schneefall wurde heftiger und wenn sie weiter warteten, würden sie mitten in einen Schneesturm geraten.

»Wir müssen aufbrechen oder wir werden hier erfrieren!«, rief Lydia den Katzen zu.
Seit ihr Thane sie mit dem Heilzauber gerettet hatte, erwachten neue Kräfte in ihr. Wieder einmal hatte die schmächtige, kleine Khajiit-Magierin bewiesen, welche Macht in ihr steckte. Unbedingt musste sie in die Akademie und lernen, damit umzugehen. Doch leider ging es ihrem Thane gar nicht mehr so gut. Nach dem Kampf hatte sie gescherzt, doch sie war bloss aufgekratzt gewesen. Jetzt, wo es ruhig war, wurde auch Ce'Nedra immer stiller.

Ausgerechnet in dieser Höhe, mit der dünnen Luft, setzte der Schneesturm ein. Sie verstanden kaum ihre eigenen Worte und die Sicht wurde immer schlechter. Sie mussten sich beeilen, oder sie würden nie den Tempel von Hoch-Hrothgar erreichen.

»Ich werde sie tragen«, schrie Kharjo zurück und gab dem Huscarl sein grosses Schwert. »Binde sie auf meinen Rücken gut fest, sodass sie nicht herunterfallen kann.«
»Es geht schon … ich kann …«, murmelte die kleine Khajiit-Magierin tapfer, fuchtelte mit den Armen und wollte aufstehen, was ihr aber nicht gelang.
»Ein zu grosses Herz für so einen kleinen Körper«, meinte Lydia und schnallte ihren Thane auf den Rücken des kräftigen Katers, der sofort ihre dünnen Arme um seinen Hals festhielt. Sie packte beide in den Mantel ein, damit sie nicht erfroren.
»Du musst mich führen, Lydia«, schrie er ihr ins Ohr. »Zünde eine Fackel an, damit ich dich sehen kann. Und vergiss mein Schwert nicht.«
Die Schildmaid gehorchte und führte beide durch den widerspenstigen Sturm. Sie sahen kaum die Hand vor den Augen und stapften vorsichtig Stufe um Stufe den Berg hinauf. Zum Glück waren beide erfahrene und hervorragend trainierte Krieger. Beide waren das harte Leben in Himmelsrand gewohnt, die kleine Khajiit-Magierin jedoch nicht.

Gegen Abend erreichten sie endlich die schweren Tore von Hoch-Hrothgar. Die Schildmaid warf die Fackel weg und stemmte das schwere Tor auf. Mehr fallend als gehend torkelten sie in die grosse Halle.
Lydia rannte in die Wohnquartiere der Graubärte und rief: »Arngeir, Graubärte, euer neuer Dovahkiin braucht Hilfe! Beeilt euch!«
Unterdessen zog Kharjo die schmächtige, kleine Katze von seinem Rücken und legte sie auf den Boden. Er öffnete den Mantel auf und rieb behutsam ihr unterkühltes Gesicht. Die tapfere Ce'Nedra konnte ihre gefrorenen Augen nicht mehr öffnen, wimmerte nur noch leise vor sich hin und murmelte immerzu wie im Traum: »Du wirst alles verlieren, was du liebst.«

Ce'Nedra, die Schusselige

Band 1: Ce’Nedra, die Schusselige

Sie kommt in Himmelsrand an und es geht alles schief, was schiefgehen kann. Dafür trifft sie aber neue Freunde.

Ce'Nedra, das Drachenblut

Band 2: Ce’Nedra, das Drachenblut

Es stellt sich heraus, dass Ce’Nedra das neue Drachenblut ist. Zudem trifft sie auf die Liebe ihres Lebens: Kharjo, ein guter Freund von Jo'Morizo.

Ce'Nedra, die Erzmagierin

Band 3: Ce’Nedra, die Erzmagierin

Endlich hat Ce’Nedra ihre Ausbildung begonnen und meistert die Prüfung als Erzmagierin. Doch ihre Arbeit hinterlässt Spuren, denn durch ihr Einwirken sterben die ersten Menschen.

Ce'Nedra, die Priesterin aus Hoch Hrothgar

Band 4: Ce’Nedra, die Priesterin aus Hoch-Hrothgar

Sie stellt die Graubärte zur Rede: Verrat. Der Kampf gegen den schwarzen Drachen steht unmittelbar bevor. Festung Amol fällt, aber mit vielen Opfern.

Ce'Nedra - Band 5

Band 5: Ce’Nedra, die Psijic-Magierin

Hroar hat Isialdur geheirat und soll zum Grosskönig gewählt werden. Ce’Nedra ist ein Mitglied des Psijic-Ordens geworden und hat das Geschenk des Ewigen Lebens erhalten. Doch der Preis ist hoch.

Ce'Nedra, die Kampf-Magierin

Band 6: Ce’Nedra, die Kampf-Magierin

Das Liebste in ihrem Leben wurde ihr genommen, nun schwört Ce’Nedra Rache. Dabei verfällt sie dem Bösen und nur ein treuer Freund kann vielleicht ihre Seele retten.